Der Energiespar-Tipp von Werner Neumann
Haus saniert: Über
2000 Euro gespart
Die
Energiepreise explodieren. Kein Wunder, dass Eigentümer
von älteren Einfamilienhäusern oder Kaufinteressenten
immer öfter fragen: Wie kann ich den Heizbedarf
spürbar reduzieren? Was kostet die Sanierung?
Wie viel Energiekosten spare ich womit?
Generell gilt: Das Dach zuerst sanieren –
denn Wärme steigt nach oben und geht dort auch
am ehesten verloren. Auch bei Außenwänden,
Fenstern und Kellerdecke läßt sich viel
sparen. Erst danach sollte die Anlagentechnik, also
Heizung und Warmwasser, in Angriff genommen werden.
Die Energieeinsparung ist abhängig vom A/V-Verhältnis.
Das ist die wärmeübertragende Gebäudehülle
im Verhältnis zum beheizten Gebäudevolumen.
Wichtig ist das Flächenverhältnis von
Dach, Außenwänden, Fenstern und Fußbodenfläche
zum Keller oder Erdreich.
Beispiel-Sanierung an einem Einfamilienhaus mit
Satteldach und Außenwänden mit Luftschicht,
Baujahr 1959. Bei guter Planung und Ausführung
spart allein die Dachsanierung 116 Kilowattstunden
(KWh) je Quadratmeter Nutzfläche im Jahr. Anders
ausgedrückt: 14 000 KWh Gas oder 1400 Liter
Öl. Die Kosten liegen bei einem Dachanteil
von 34 Prozent an der gesamten Außenfläche
des Hauses einschließlich Sparrenerhöhung,
neuer Pfannen, Klempnerarbeiten sowie der Nebenleistung
bei 26 000 Euro.
Bei mäßig gedämmten Dächern,
zum Beispiel vier oder fünf Zentimetern Mineralwolle,
kann zusätzlich Klemmfilz eingebaut werden.
Die Einsparung ist allerdings nicht mehr so beeindruckend
wie bei einem zuvor ungedämmten Dach –
beim Musterhaus lag das Spar-Plus bei 20 KWh pro
Quadratmetern beziehungsweise 3000 KWh Gas oder
300 Litern Öl im Jahr.
Der Charme roter Ziegelwände sollte erhalten
bleiben, zum Beispiel durchs Verfüllen der
Luftschicht im Mauerwerk, in diesem Fall sechs Zentimter.
Das spart etwa 70 KWh pro Quadratmeter und Jahr,
beim Musterhaus demnach 10 000 KWh Gas oder 1000
Liter Öl. Die Kerndämmung kostet bei 125
Quadratmetern Außenwand, also 36 Prozent Hüllfläche,
etwa 2600 Euro. Für nachträgliche Dämmungen
zweischaliger Außenwände gibt es unterschiedliche
Materialien und Einbringverfahren. Der Durchschnittspreis
liegt bei 18 bis 22 Euro pro Quadratmeter, bei sechs
Zentimetern Luftschicht. Das Außendämmung
kostet 90 bis 130 Euro pro Quadratmeter.
Neue Fenster bringen etwa 35 KWh Ersparnis pro Quadratmeter,
also 5000 KWh Gas oder 500 Liter Öl jährlich.
34 Quadratmeter Holzfenster schlagen mit etwa 7800
Euro zu Buche, die Ausführung in Kunststoff
mit runden 6400 Euro. Aber es geht auch günstiger:
Sind die vorhandenen Fensterrahmen und Flügel
in Ordnung, reicht es gegebenenfalls, nur die Scheiben
auszutauschen. Die Kosten hierfür liegen lediglich
bei 30 bis 40 Prozent gegenüber neuen Fenstern.
Die gesamte Sanierung des Musterhauses kostete 35
000 Euro – demgegenüber werden jährlich
29 000 KWh Gas oder 2900 Liter Öl eingespart.
Das sind zurzeit etwa 2350 Euro pro Jahr. Wer sich
dazu noch eine moderne Heizungsanlage anschafft,
kann seine Kosten sogar um bis zu 70 Euro verringern
– angesichts der Energiepreis-Entwicklung
sind das lohnende Investitionen.
Der Autor ist Energieberater
bei der Verbraucherzentrale in Stade und Buxtehude.
Der Artikel ist am 27.08.2008
auch im Stader Tageblatt erschienen.